Hohlraumkonservierung und Unterbodenschutz selbst machen klingt immer sehr leicht und verlockend. Doch wenn man erst einmal alles beisammen hat und vor dem eigenen Fahrzeug steht, kommen so manchem Fahrzeugbesitzer die Schweißperlen auf der Stirn.
Das muss nicht sein. Mit der richtigen Vorbereitung, dem richtigen Werkzeug und Produkten ist ein Schutz für die nächsten Jahrzehnte garantiert. Wenn man sich die Arbeit macht, dann wenigstens richtig!

Vorbereitung

Im ersten Schritt der Vorbereitung sollte man prüfen, ob man alle notwendigen Werkzeuge, Materialen und Produkte beisammen hat, um ein wirklich perfektes Ergebnis zu erzielen.

Persönliche Schutzausrüstung:
  • Einweg-Schutzanzug
  • FFP2-Maske
  • Einmal-Handschuhe
  • Dicke „Thermo“ Handschuhe
  • Festes Schuhwerk
  • Schutzbrille
Zubehör: Werkzeug:
  • Druckluftkompressor
  • Druckbecherpistole
  • Hohlraumsonde
  • Akkuschrauber
  • Metallbohrer
  • Zierleisten Demontage Werkzeug
  • Ersatzclips und Blindstopfen
Optional:
  • Endoskop mit Kamerasonde
  • Hohlraum- bzw. Konservierungsplan des Fahrzeugs
Fahrzeug:
Das Fahrzeug, welches konserviert werden soll, sollte absolut trocken sein. Manche Hersteller von Korrosionsschutzmitteln empfehlen, dass das Fahrzeug mindestens zwei Wochen trocken stand. Wiederum andere Produkte könnten sogar mit Wasser auf der Oberfläche klar kommen. Daher gilt es entweder die Produktempfehlung des Herstellers zu beachten oder auf Nummer sicher gehen und dafür Sorge tragen, dass das Fahrzeug trocken ist.

Demontage & Schutz

Wir empfehlen IMMER eine professionelle KFZ-Hebebühne zu benutzen. Neben der Sicherheit garantiert dies auch ein stressfreies Arbeiten unter dem Fahrzeug. Daher basiert diese Anleitung auch auf der Nutzung einer KFZ-Hebebühne.

1. Rader demontieren
Hebe das Fahrzeug auf eine angenehme Höhe und demontiere die Räder. Lege die Räder in einen anderen Raum oder decke diese ordentlich ab.

2. Bremsanlage schützen
Nimm ausreichend Abdeckfolie und wickle damit deine Bremsscheiben bzw. Bremstrommeln ein. Klebe die Folie fest mit Kreppband zu.

3. Kunststoffteile demontieren
Demontiere alle Kunststoffverkleidungen, Zierleisten und Blindstopfen, die dich später stören oder hinter den Du anschließend konservieren möchtest.

Achtung: Versuche mit einem Demontage Werkzeug die Zierleisten zu demontieren. Dies hilft dir dabei keine Befestigungs-Clips zu beschädigen. Sei Dir aber bereits vorher sicher, dass immer mal ein Clip kaputt gehen wird. Sorge also bereits vorher für Ersatz.
Besonders bei neuen Fahrzeugen hat man eine durchgehende Unterbodenverkleidung, welche man mit bis zu 50 Clips und Kunststoff-Schrauben demontieren muss. Mache Dir vor der Demontage einige Fotos und lege die Clips mit Sinn und Verstand in kleine Becher oder Tüten und beschrifte diese. Du wirst bei der Montage dankbar für diese Hilfestellung sein.
 
3.1. Bohre Zugänge zu den Hohlräumen
Manchmal ist es notwendig mit einem Metallbohrer einige Öffnungen zu schaffen, um an alle Hohlräume heranzukommen. Dafür verwende einen Bohrer, der etwas grösser ist als deine Hohlraumsonde im Durchmesser. Achte dabei darauf, dass Du die passenden Blindstopfen vorrätig hast, um am Ende diese Öffnungen wieder zu verschließen. Ob und welche Bohrungen Du setzen musst, können wir an dieser Stelle leider nicht beschreiben.

4. Schütze was dir wichtig ist
Wir empfehlen nun einen Lenkrad-Überzieher und einen Sitzschoner über zu ziehen. Lege ein altes Handtuch über die Pedalerie, Schaltknauf und Armaturenbrett. Denn besonders mit Hohlraumkonservierung die stark erhitzt werden, bildet sich bei der Verarbeitung auch im Wageninneren ein Fettnebel.

Achtung: Setzt sich der Fettnebel auf der Pedalerie, den Bremsen, dem Lenkrad, der Windschutzscheibe, dem Gurt oder den Reifen ab, kann dies lebensgefährlich sein.
Außerdem ist es ratsam das Fahrzeug von außen vollständig mit einer Folie abzudecken. Der Fettnebel wird sich bei der Verarbeitung auf den ganzen Raum auswirken. Sofern Du die Arbeiten allein durchführst, empfiehlt sich hier eine Folie aus dem Lackier-Zubehör, da diese statisch selbst haftet und nicht auf der anderen Seite runterrutscht, wenn Du gegenüber ziehst.
Neben dem Innenraum und der äußeren Karosserie solltest Du unter dem Fahrzeug die gesamte Auspuffanlage und Bauteile, die nicht eingefettet werden sollen, ordentlich abkleben. Es empfiehlt sich den Bereich des Motors und Motorraums großzügig abzukleben.

Fett und Korrosionsschutzmittel haben auf heißen Bauteilen nichts verloren. Brandgefahr!
Klebe die Abdeckfolie am Fahrzeug ordentlich an. Die spätere Arbeit mit Druckluft pustet diese sonst weg und es droht sich Fettnebel auf dem Fahrzeug abzulegen.
 
4.1. Besonderheiten bei Fahrzeugen
Zieh deine Sicherheitsgurte raus und schnalle diese über Kreuz an. Dies schützt die Gurte vor Verschmutzung, bei Arbeiten im Hohlraum des Gurtaufrollers. Außerdem achte darauf, dass deine Fensterscheiben geschlossen sind. Sofern Du die Hohlräume deiner Fenster und Türen konservieren möchtest.

5. Kontrolle der Vorbereitung
Kontrolliere deine Vorbereitung und prüfe, ob Du während der Arbeiten an alle Stellen gut ran kommst. Wenn Du mit erhitztem Fett arbeitest, bist Du froh, wenn Du an alles gedacht hast. Nach dem Motto zweimal messen, einmal schneiden sollte hier deine Vorarbeit perfekt sein. Das erspart dir viel Ärger. Hat man erst einmal die Schutzausrüstung an und fettige Handschuhe, verzweifelt man selbst an einem Blindstopfen, den man vergessen hat zu entfernen.

6. Temperatur und Feuchtigkeit
Für eine bessere Verarbeitung prüfe, ob das Fahrzeug und die Hohlräume vollständig trocken sind. Heize den Raum bzw. die Karosserie auf mindestens 15 Grad. Das Auftragen von erhitztem Korrosionsschutz auf eine sehr kalte Karosserie birgt die Gefahr von „flockendem“ Fett und schlechter Haftung.

Hohlraum-Konservierung

Beginne nun damit, je nach Produkt, das Korrosionsschutzmittel nach Herstellerangaben zu erhitzen bzw. vorzubereiten und schalte parallel den Druckluft-Kompressor ein.
Sofern Du mit heißem Korrosionsschutzfett wie z.B. Mike Sander arbeitest, erhitze das Werkzeug und die Hohlraumsonde mit einem Föhn. Trage bei den Arbeiten deine Schutzausrüstung und bei Arbeiten mit heißem Fett ebenso die Thermohandschuhe. Selbst das Werkzeug wird sich umgehend stark erhitzen!
  • Fülle das Produkt in die (vorgewärmte) Druckbecherpistole
  • Verschraube dies mit dem (vorgewärmte) Griffstück
  • Schließe die (vorgewärmte) Hohlraumsonde an
  • Befestige den Druckluftschlauch
Beginne nun mit den Hohlräumen. Führe dafür die Hohlraumsonde soweit wie nötig oder möglich in den Hohlraum ein.
Betätige den Abzug der Druckbecherpistole und bringe so das Korrosionsschutzmittel in den Hohlraum.
Während des Drückens der Pistole ziehe die Hohlraumsonde langsam und vorsichtig wieder aus der Öffnung heraus. Halte die Hohlraumsonde kurz vor der Öffnung mit Daumen und Zeigefinger fest.

Achtung: Beende den Sprühvorgang in jedem Fall vor dem Herausziehen der Sonde. Diese sprühen in der Regel in 360 Grad. Es besteht die Gefahr von schweren Verbrennungen bei Arbeiten mit heißem Fett!
Druck, Einstellung und Dauer der Betätigung beeinflussen die Menge des eingebrachten Materials. Solltest Du dir nicht sicher sein, überprüfe das Ergebnis mit einer Endoskop-Kamera oder übe vor den Arbeiten an einem Probestück.
Wiederhole diesen Schritt nun in allen zugänglichen Hohlräumen. Achte auf Besonderheiten bei Türen und Gurtanlagen. Unachtsames Konservieren kann zu Problemen mit dem Gurtaufrolle oder der Fenstermechanik führen.

Unterboden-Konservierung

Sofern Du dich dazu entschlossen hast, auch den Unterboden zu konservieren kannst Du hier auf spezielle Produkte zurückgreifen oder in manchen Fällen auch das Korrosionsschutzfett verwenden.
Ähnlich wie bei der Hohlraumkonservierung bereite deine Werkzeuge sorgfältig vor. In diesem Fall verzichte lediglich auf die Hohlraumsonde.
Teste die austretende Menge, den eingestellten Druck und das Spritzbild an einer nicht sichtbaren Stelle oder einem Probestück. Dank der hervorragenden Vorarbeit kannst Du nun ohne große Rucksicht die gesamte Fläche, welche nicht abgeklebt ist mit Korrosionsschutzmittel einsprühen.
Achte dabei auf die Mindest-Schichtdicke laut Herstellerangaben. Ebenso solltest Du es vermeiden unnötig viel Material aufzutragen, da dies an heißen Sommertagen oder nach einer langen Fahrt vom Fahrzeug abtropfen kann. Die meisten Mittel sind umweltfreundlich, gehören aber trotzdem nicht in die Kanalisation. Außerdem bildet Fett auf einer nassen Fahrbahn nicht nur Regenbogenfarben, sondern gefährdet auch die Gesundheit von anderen Personen durch Rutschgefahr.

Blechfalz-Konservierung

Eine häufiges Problem bei Fahrzeugen sind Überlappungen und Falze bei Karosserie blechen. Um diese ordentlich zu konservieren, hast Du verschiedene Möglichkeiten.
Nutze ein erhitztes Korrosionsschutz fett und bringe dies mit einer Spritze in die Falze ein, knete erkaltetes Fett im Anschluss weiter ein und schütze dort wo es möglich ist diese mit Korrosionsschutzfettband oder verwende ein Korrosionsschutzmittel mit hervorragender Kriechwirkung. Bringe es z.B. mit Dosier-Röhrchen in die Falz ein. Dieses musst Du in der Regel jedoch regelmäßig erneuern.

Ergebnis

Nun solltest Du ein hervorragend konserviertes Fahrzeug besitzen, welches Dir noch viele Jahre erhalten bleiben wird.
  • Verschließe Bohrungen und Öffnungen wieder mit Blindstopfen.
  • Entferne die Abdeckfolie unter dem Fahrzeug. Kontrolliere ob Motorteile welche heiß werden vollständig von Folie und Fett befreit sind.
  • Nimm die Abdeckfolie von der Karosserie.
  • Befestige alle Zierleisten und Verkleidungen wieder am Fahrzeug.
  • Wische mit Fettloser oder Bremsenreiniger überflüssiges Material vom Auto.
  • Überprüfe, ob Scheinwerfer, Lenkrad, Gurte, Fenster, Windschutzscheibe und Scheibenwischer absolut fettfrei sind.
  • Entferne die Folie von der Bremsanlage und reinige diese vorsichtshalber mit Bremsenreiniger.
  • Montiere die Räder und lass das Fahrzeug von der Bühne.

Tipp

Dokumentiere alle Schritte mit einer Kamera oder Fotoapparat. Lege die Bilder, Rechnungen und Dokumentationen in die Fahrzeugunterlagen. Dies erhöht den Wert oder Wiederverkaufspreis deines Fahrzeugs.
Nutze die Gelegenheit und prüfe dein Fahrzeug auf Funktion. Scheinwerfer, Blinker, Bremse, Scheibenreinigungsanlage, Öl, Frostschutz, Bremsflüssigkeit und Batterie.